vServer oder fertiger Gameserver - die ehrliche Abwägung
Bevor du eine Stunde in die Einrichtung steckst, lohnt der Vergleich. Beide Wege haben klare Stärken:
| Kriterium | vServer (selbst aufsetzen) | Fertiger Gameserver |
|---|---|---|
| Einrichtung | Kommandozeile, rund eine Stunde | Webinterface, wenige Minuten |
| Mehrere Instanzen | beliebig viele, nur durch RAM begrenzt | je Server ein Tarif |
| Modpack-Installation | manuell per SFTP | 1-Klick aus CurseForge |
| Weitere Dienste parallel | ja - TeamSpeak, Webseite, Bots | nein |
| Wartung, Updates, Absicherung | bei dir | bei uns |
| Java-Version, Startparameter | frei wählbar | vorkonfiguriert |
Kurz gefasst: Wenn du einen Server für dich und ein paar Freunde willst und einfach spielen möchtest, ist ein fertiger Minecraft-Server die bessere Wahl - mit Webinterface, 1-Klick-Modpacks und unbegrenzten Slots. Der vServer lohnt sich, wenn du mehrere Instanzen parallel fahren, ein Netzwerk aufbauen oder Minecraft mit anderen Diensten auf einer Maschine bündeln willst.
Tarifwahl und RAM-Bedarf
Minecraft ist vor allem speicherhungrig. Als Faustregel für den Serverprozess:
- Vanilla oder Paper, 5-10 Spieler: 2 GB RAM für die Instanz
- Paper mit Plugins, 10-20 Spieler: 4 GB RAM
- Mittleres Modpack: 6-8 GB RAM
- Großes Modpack wie All the Mods: 10 GB und mehr
Rechne zusätzlich rund 1 GB für Betriebssystem und Hintergrunddienste ein. Ein Tarif mit 4 GB RAM trägt also etwa eine 3-GB-Instanz - nicht mehr. Wer diesen Puffer nicht einplant, wundert sich später über abgebrochene Serverprozesse.
Der NVMe-Speicher ist selten der Engpass: Eine Vanilla-Welt bleibt lange unter einem Gigabyte, große Modpacks belegen mit allen Dateien einige Gigabyte.
Schritt 1: Java installieren
Aktuelle Minecraft-Versionen brauchen Java 21. Für Debian und Ubuntu:
sudo apt update
sudo apt install openjdk-21-jre-headless screen -y
java -version
Die Variante headless spart Platz, weil die grafischen Bibliotheken entfallen - ein Server braucht sie nicht.
Ältere Minecraft-Versionen benötigen ältere Java-Versionen. Wenn du bewusst eine alte Version fährst, installiere die passende JRE und gib sie im Startskript mit vollständigem Pfad an.
Schritt 2: Benutzer anlegen und Server installieren
Auch der Minecraft-Server soll nicht als root laufen:
sudo adduser --disabled-login --gecos "Minecraft" minecraft
sudo -u minecraft -s
cd /home/minecraft
mkdir survival && cd survival
Lade nun die Server-Datei herunter. Paper ist für die meisten die beste Wahl: voll kompatibel mit Bukkit- und Spigot-Plugins, dabei deutlich performanter als Vanilla. Die aktuelle Download-Adresse findest du auf der offiziellen Paper-Webseite:
wget -O server.jar "PAPER-DOWNLOAD-URL"
Erststart, um die Konfigurationsdateien erzeugen zu lassen:
java -Xms2G -Xmx2G -jar server.jar nogui
Der Server bricht mit einem Hinweis auf die EULA ab. Das ist erwartet - bestätige sie:
sed -i 's/eula=false/eula=true/' eula.txt
Danach startest du erneut. Beim zweiten Start erzeugt der Server die Welt, was je nach Einstellungen ein bis zwei Minuten dauert. Anschließend beendest du ihn im Serverfenster sauber mit stop.
Schritt 3: Startparameter und Konfiguration
Die wichtigsten Einstellungen liegen in server.properties. Typische Anpassungen:
server-port=25565
max-players=20
difficulty=normal
view-distance=8
simulation-distance=6
online-mode=true
motd=Willkommen auf meinem Server
Zwei Werte verdienen besondere Aufmerksamkeit. view-distance ist der wirksamste Hebel gegen Performance-Probleme - jede Stufe weniger spart spürbar RAM und CPU. Und online-mode=true gehört unbedingt aktiviert: Es prüft die Mojang-Konten deiner Spieler und verhindert, dass sich jemand als ein anderer ausgibt.
Eine vollständige Übersicht aller Optionen findest du im Ratgeber server.properties erklärt.
Zur Speicherzuweisung: Setze -Xms und -Xmx auf denselben Wert. Das verhindert, dass die Java-VM den Heap zur Laufzeit vergrößert - ein häufiger Auslöser von Rucklern. Und lass dem Betriebssystem seinen Puffer: Auf einem Tarif mit 8 GB RAM gibst du der Instanz höchstens 6 bis 7 GB.
Schritt 4: Autostart per systemd
Damit der Server einen Neustart des vServers übersteht, richtest du eine systemd-Unit ein. Die Kombination mit screen hat einen praktischen Vorteil: Du kannst dich später jederzeit auf die Serverkonsole aufschalten.
sudo nano /etc/systemd/system/minecraft-survival.service
[Unit]
Description=Minecraft Server (survival)
After=network.target
[Service]
User=minecraft
WorkingDirectory=/home/minecraft/survival
Type=forking
ExecStart=/usr/bin/screen -dmS mc-survival java -Xms2G -Xmx2G -jar server.jar nogui
ExecStop=/usr/bin/screen -p 0 -S mc-survival -X eval 'stuff "stop"\\015'
Restart=on-failure
RestartSec=20
[Install]
WantedBy=multi-user.target
sudo systemctl daemon-reload
sudo systemctl enable --now minecraft-survival
sudo systemctl status minecraft-survival --no-pager
Auf die Konsole schaltest du dich so auf:
sudo -u minecraft screen -r mc-survival
Verlassen ohne den Server zu beenden: Strg+A, dann D. Wichtig ist der ExecStop-Eintrag - er sendet den Befehl stop an die Konsole, damit der Server seine Welt sauber speichert. Ohne ihn würde systemd den Prozess hart abschießen, und das kostet im Zweifel Spielfortschritt.
Schritt 5: Firewall und Verbindung
sudo ufw allow 25565/tcp
sudo ufw status
Danach verbindest du dich im Spiel über DEINE-SERVER-IP:25565. Läuft der Server auf dem Standardport, reicht die IP-Adresse allein.
Wer eine eigene Domain hat, kann sie per A-Record auf den Server zeigen lassen. Für einen abweichenden Port ohne Portangabe im Client braucht es zusätzlich einen SRV-Record.
Mehrere Instanzen parallel betreiben
Das ist der eigentliche Grund, einen vServer statt eines fertigen Gameservers zu nehmen. Lege je Instanz ein eigenes Verzeichnis mit eigenem Port an:
/home/minecraft/survival -> Port 25565
/home/minecraft/creative -> Port 25566
/home/minecraft/modded -> Port 25567
Für jede Instanz kopierst du die systemd-Unit unter neuem Namen, passt Verzeichnis, Screen-Name und RAM-Zuweisung an und gibst den Port frei. Achte dabei auf die Summe: Drei Instanzen mit je 2 GB brauchen 6 GB plus Puffer fürs Betriebssystem.
Sollen alle Instanzen unter einer gemeinsamen Adresse erreichbar sein, brauchst du zusätzlich einen Proxy wie Velocity oder BungeeCord. Dabei ist eines sicherheitskritisch: Die einzelnen Server dürfen dann nicht mehr direkt aus dem Internet erreichbar sein, sonst umgehen Spieler die Authentifizierung des Proxys. Binde sie an 127.0.0.1 und gib nur den Proxy-Port frei.
Backups nicht vergessen
Eine gelöschte oder beschädigte Welt ist ohne Sicherung endgültig verloren. Ein einfacher nächtlicher Cronjob genügt:
sudo -u minecraft crontab -e
0 4 * * * tar czf /home/minecraft/backups/survival-$(date +\%F).tar.gz -C /home/minecraft/survival world world_nether world_the_end
Zwei Dinge dabei beachten: Im Cron muss das Prozentzeichen escaped werden, sonst schneidet Cron den Befehl ab. Und eine Sicherung auf demselben Server ist nur die halbe Miete - schiebe sie zusätzlich auf ein externes Ziel. Wie das automatisiert geht, steht im Ratgeber Backups einrichten.
Häufige Fragen
vServer oder fertiger Gameserver?
Auf dem vServer baust du alles selbst und betreibst beliebig viele Instanzen. Wer lieber sofort spielen will, nimmt einen vorkonfigurierten Minecraft-Server mit Webinterface, 1-Klick-Modpacks und unbegrenzten Slots.
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